Montag, 30. Januar 2012

But no one ever tells you that forever feels like home, sitting all alone inside your head..

Stone Sour - Through Glass

Man sagt ja: Dinge zu benennen nimmt ihnen den Schrecken.
In letzter Zeit habe ich viel über den Begriff „Beziehung“ nachgedacht und um meiner Anspannung den Schrecken zu nehmen, habe ich versucht, dem Zustand einen Namen zu geben. Versucht, aktuelle Umstände in eine Sparte zu kategorisieren, nur um dann zu merken, dass das ein vollkommen absurdes Unterfangen war. Dabei ist mir nur aufgefallen, wie unglaublich unsauber und undefiniert dieser Begriff eigentlich ist.
Beziehung.. Inzwischen habe ich so wahnsinnig viele Kommentare dazu gehört, was eine Beziehung ist, wodurch sie sich ausdrückt, was man in ihr nicht macht, was man in ihr gefälligst zu tun hat und welche Formen und Entwicklungen sie anzunehmen hat. Quintessenz dieser Bemerkungen ist nur, dass jeder seine eigene Vorstellung von dem hat, was er sich für seine eigene Beziehung wünscht, oder eben dort nicht haben möchte.
Es ist seltsam, dass es für eine derartig wichtige zwischenmenschliche Interaktion nur einen einzigen Begriff gibt. Gut, es fällt noch der Begriff der Partnerschaft, der zumeist etwas reifer und freier gemeint wird, aber grundsätzlich ist es keine Abgrenzung, nicht mal ein alternativer Ausdruck, sondern eher eine kleine Unterkategorie, die wenn dann eher synonym verwendet wird, um Dauer, Tiefe oder eben Reife einer Beziehung zu verdeutlichen.
Obwohl nun aber jeder weiß, dass es Menschen gibt, die ihre Beziehung anders ausleben wollen und andere Wünsche haben im Bezug auf ihren Partner, andere Ansprüche stellen oder gar keine Ansprüche stellen, besonders offen sind oder besonders einschränkend, so glaubt doch am Ende die Mehrheit, dass sie weiß, was eine „richtige Beziehung“ ist, und was nicht. Oder anders: Wann eine Beziehung existent ist und wann nicht.
Wenn nun jemand der Meinung ist, die Beziehung eines anderen sei absolut konträr zu seinen eigenen Vorstellungen, warum sollte er dann seinen offensichtlich so abweichenden Wünschen genau den selben Namen geben, wie derjenige, der sich darunter etwas komplett anderes vorstellt? Mit Sicherheit gibt es in der Wissenschaft unterschiedliche Kategorien von Beziehung. Max Weber stellt in „Wirtschaft und Gesellschaft“ die Theorie des sozialen Handelns, der sozialen Beziehung, auf. Diese ist dadurch definiert, dass zwei oder mehrere Individuen dann sozial handeln, wenn sie sich in ihrem inneren und äußeren Handeln aufeinander beziehen.
Nicht mehr und nicht weniger. Eine Beziehung ist Interaktion. Wie diese nun aussieht und wie sich die jeweiligen Individuen in dieser Beziehung erfüllt fühlen oder nicht, ist nicht weiter ausgeführt und auch nicht wichtig. Eine soziale Beziehung ist eine soziologische Kategorie, welche durch die Eigenheiten der einzelnen handelnden Individuen von der Theorie zur Praxis übergeleitet werden.
Natürlich geben wir durch unsere Vorstellung von einer Beziehung als Begriff einer Liebes“beziehung“ der ganzen Angelegenheit noch eine andere Tendenz, die wieder viel Spekulationsspielraum bietet. Doch sollten wir uns im Gedächtnis behalten, dass uns vorrangig die Essenz der Vorstellungen, Wünsche und Anforderungen, nämlich die Interaktion mit anderen, verbindet. Wenn man nun Verbindungen schaffen kann, Ähnlichkeiten und Gemeinsamkeiten in der jeweils eigenen Definition von „Beziehung“ findet, kann man auch eine gute Basis für eine Liebesbeziehung legen.. 
Doch dass dieser Umstand auch nicht eintreten muss und eine grundsätzliche Differenz der Wünsche bestehen bleiben kann oder besteht, damit muss man dann auch leben können. Vor allem, wenn die jeweilig miteinander agierenden Personen sich nicht in die Sparte "Beziehung" pressen lassen wollen, nur damit am Ende eine sinnvolle Erklärung abgegeben werden kann, die alle Welt einzuordnen versteht und aus der Definition heraus auch wieder zu beurteilen versucht.
 Ich habe ein Problem damit, mich Genre, Subgenre, Lebenskateogorien oder ähnlichem unterzuordnen, weil mir bei all diesen Begriffen die Entwicklungsmöglichkeit fehlt, die man sich durch eine Einschränkung durch Zuordnung nehmen lässt. Übergreifende oder verbindende Ideen werden damit erstickt oder erschwert und durch einen Rechtfertigungsanspruch im Rahmen der jeweiligen Gruppe oft verhindert.
Ähnlich kann ich es mir mit dem Beziehungsbegriff vorstellen. Lässt man seine Partnerschaft, seine Interaktion mit einem oder mehreren Partnern, kategorisieren, macht man sich angreifbar, diskutierbar und kritisierbar. Ratschläge von außen können, trotz der jeweiligen Determiniertheit durch das individuelle Verständnis des Beziehunsgbegriffes, eine große Hilfe sein, doch nur durch die Möglichkeit der gemeinsamen Entfaltung innerhalb einer Partnerschaft kann man sich auch soweit gemeinsam entwickeln, dass eine solide und für beide (oder, ganz bewusst aufgrund der heutigen Vielzahl an Möglichkeiten, mehrere) Partner zufrieden und glücklich stimmende Basis geschaffen wird. Und wie man das dann nennt oder ob man es überhaupt benennt, ist weniger als zweitrangig.

3 Kommentare:

  1. Also mein kurzer, unkategorisierter :-) Senf zur langen Rede wäre: Hauptsache es passt.

    Wie man es nennt ist eigentlich egal.

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  2. und hauptsache, man ist glücklich :)
    mensch, schwesterchen, ich glaub ich muss das alles noch mal lesen, um es genau zu verstehen.... :P

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